Die Lernende Schule
TA und Schulentwicklung

Veränderte Kindheit

Gesellschaftliche und globale Entwicklungen führen zu einer veränderten Kindheit und stellen neue Ansprüche an Bildung und Ausbildung. Spätestens seit der Veröffentlichung der Ergebnisse der PISA-Studie diskutieren Öffentlichkeit, pädagogische Fachwelt und Politik die Entwicklung pädagogischer Institutionen heftig. In Zusammenhang damit hat ein intensiver Reformprozess in den Schulen eingesetzt.

Die alten Fragen pädagogischen Handelns verlangen nach neuen Antworten:
Welche Qualifikationen braucht die heranwachsende Generation? Welche persönlichen und professionellen Kompetenzen benötigen LehrerInnen? Mit welchen Werten und Zielvorstellungen können sie diesen Reformprozess vorantreiben?

Arbeitsfeld Schule

Eines ist sicher: Die traditionelle Einstellung "Ich, mein Fach und meine Klasse" reicht heute nicht mehr aus, um die Anforderungen, die in dem komplexen Arbeitsfeld Schule gestellt werden, zu bewältigen. Dazu gehört auch, dass sich TransaktionsanalytikerInnen mit ihren eigenen prägenden Schulerfahrungen auseinandersetzen und sich von ihnen distanzieren können.
Schulen werden zu teilautonomen lernenden Systemen, die selbstständig ihren Weg finden, Bildung und Qualifikationen an ihre ureigene Zielgruppe, die SchülerInnen, zu vermitteln.

Professionelle Kompetenz

Damit wird es notwendig, sich als Teil eines größeren Zusammenhangs zu definieren: "Wir und unsere Schule in einer sich verändernden Gesellschaft". Unterrichtsentwicklung (UE), Personalentwicklung (PE) und Organisationsentwicklung (OE) sind dabei wichtige, ineinander greifende Regelkreise professioneller Kompetenz.

Transaktionsanalytische PädagogInnen wissen, dass die Lernprozesse der Schule viele neue Kompetenzen, realistische Einschätzungen, und einen langen Atem brauchen. Die Transaktionsanalyse stellt Theorien und Konzepte als Werkzeuge zur Verfügung, die Pro-fessionalisierung von LehrerInnen so zu verstärken, dass sie ihre Kompetenzen in allen Bereichen der Schulentwicklung nutzbringend und wirksam einsetzen können.

TA und Schulentwicklung

Transaktionsanalyse fördert im Rahmen der Personalentwicklung (PE) u.a. die pädagogische Kompetenz von LehrerInnen, damit sie die Lernenden unterstützen können

  • sich selbstständig zu steuern
  • reflexiv, empathisch, ethisch bewusst denken und handeln zu können
  • kooperativ zu lernen und zu handeln
  • entscheidungsfähig zu werden
  • ihre persönliche Identität zu finden und auszubilden
  • ihre Lernfähigkeit zu stärken, indem die Lernenden ihr integriertes/integrierendes ER entwickeln und ihre verschiedenen Ich-Zustände als Reichtum ihrer Persönlichkeit entdecken
  • vertragsfähig werden
  • kontextbezogene Autonomie entwickeln
  • sich ihrer Transaktionen bewusst werden und eine angemessene soziale Kontrolle darüber gewinnen
  • aus realistischer OK-Position handeln können

TA unterstützt die Lehrenden, persönlich zu wachsen und ihre Handlungskompetenz (Selbst-kompetenz, Fachkompetenz, Sozialkompetenz) zu stärken indem sie

  • anregt, ein in Auseinandersetzung mit TA entwickeltes persönliches Leitbild zu vertreten
  • ihnen hilft, konstruktiv mit Skriptelementen aus der eigenen Lernbiographie und mit Übertragungsphänomenen umzugehen
  • ihre Fähigkeit stärkt, professionell interpersonal mit Transaktionen wirksam zu werden, und hilfreiche, nichtsymbiotische Haltungen auszubilden
  • ihre Fähigkeit stärkt, intrapsychische Stimuli konstruktiv umzuwandeln und diagnostisch einzusetzen

TA- Pädagogik zeigt den LehrerInnen im Bereich der Unterrichtsentwicklung (UE) Möglichkeiten auf konstruktiv im Unterricht zu intervenieren, wenn sie

  • angemessene Strukturen, Stimuli, Strokes setzen
  • klare Grenzlinien z.B. durch Lernverträge oder Stundenverträge vorgeben
  • Unterricht als Angebot für Lernen strukturieren
  • Entwicklungspsychologie und Gruppendynamik berücksichtigen
  • Lernen am Modell durch Inspiration und "Empowerment" fördern

Transaktionsanalyse kann zur Organisationsentwicklung (OE) von Schulen beitragen, weil sie

  • den Prozess des Umdenkens von der Einstellung "Ich, mein Fach und meine Klasse" zu "Wir und unsere Schule" fördert
  • anregt, Schulreform bewusst und partizipativ zu gestalten
  • fördert, mit Verantwortung, Anforderungen, Zumutungen, Krisen angemessen umzugehen indem sie
  • Bewusstheit über die Zugehörigkeit zu verschiedenen Gruppenstrukturen, deren Vertragsgrundlagen und ihre Veränderbarkeit schafft
  • Bewusstheit über die Veränderungsbedingungen von Gruppenkultur, Gruppenimago vermittelt
  • Gruppendynamiken bewusst macht und Wege zu ihrer Beeinflussung aufzeigt
  • Bedeutung der Gruppenautorität nutzt, um z.B. Grundbedürfnisse zu befriedigen, Stimulus, Struktur, Strokes als Leitungskompetenzen zu nutzen usw.

Ebenen des Geschehens:

  • auf der Ebene des Umgangs mit den Lernenden durch die Entwicklung eines effektiven pädagogischen Instrumentariums
  • auf der Ebene der persönlichen Entwicklung als Auseinandersetzung mit der eigenen Lernbiographie und den Rollenanforderungen
  • auf der Ebene des Systems Schule als Befähigung Konzepte zu entwickeln und zu realisieren.